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Ob Arbeitslose, Alleinerziehende oder Azubis – die „Dienste“ sind zur Stelle „Heidelberger Dienste“ feiern 25. Geburtstag – Damals sollten Langzeitarbeitslose beschäftigt werden – Heute ist das Angebot viel breiter – Bilanz-Gespräch mit Wolfgang Schütte

 

Im Jahr 1992, als Helmut Kohl noch regierte und die Arbeitslosenzahl in Deutschland erstmals an der Drei-Millionen-Marke kratzte, reagierten viele Kommunen – auch Heidelberg. Mit den „Heidelberger Diensten“ (HDD) wurde eine städtische Beschäftigungsgesellschaft gegründet. 25 Jahre später sind die HDD weit mehr als das. Geschäftsführer Wolfgang Schütte, 61, war von Anfang an Leiter des gemeinnützigen Unternehmens – und zieht im RNZ-Gespräch Bilanz.

Herr Schütte, zu welchem Zweck wurden die Heidelberger Dienste vor 25 Jahren gegründet?

Anfang der 1990er Jahre entwickelte sich Langzeitarbeitslosigkeit auch in Heidelberg zu einem Problem. Den Impuls des Arbeitsamtes für einen Start der Heidelberger Dienste nahm die Stadt gerne auf: Man wollte ein Beschäftigungsangebot mit gewerblichem Schwerpunkt schaffen.

Sie starteten mit dem Betrieb der Recyclinghöfe – und diese betreiben sie an mittlerweile fünf Orten bis heute.

Ja, aus der ursprünglichen Abgabestelle Oftersheimer Weg sind fünf Recyclinghöfe geworden. Sie sind Teil eines modernen Abfallwirtschaftskonzeptes, in dessen Mittelpunkt die Idee der Kreislaufwirtschaft steht. Zunächst war das eine klassische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Bei manchen sind diese ABMs als Beschäftigungstherapie ohne nachhaltigen Nutzen verrufen. Wie sehen Sie das?

Dazu eine kleine Anekdote: Wir haben uns anfangs etwa um Rekultivierung gekümmert – und das auch am historischen Weinberg „Sonnenseite ob der Bruck“. Die Trockenmauern dort haben wir angelegt. Wir haben den Berg erst wieder für den Weinbau nutzbar gemacht. Also das war schon nachhaltig (lacht). Aber im Ernst: Wir wollten damals auch selbst schnell weg von der reinen Projektorientierung und uns nachhaltiger aufstellen.

Das ist gelungen. Heute sind die HDD ein zentraler Bestandteil der städtischen Abfallwirtschaftskonzeption.

Genau. Wir haben die Reinigung des Neckarvorlandes, öffentlicher Toiletten oder die Stadtteilreinigung im Emmertsgrund übernommen. Im zweiten Arbeitsmarkt sind wir der größte Arbeitgeber der Region. Unser Ziel war und ist, Langzeitarbeitslose bei uns fit zu machen und in Arbeit zu vermitteln. Und immerhin jeder vierte wird im Anschluss an die Beschäftigung bei uns direkt in Arbeit vermittelt.

Die politischen Rahmenbedingungen für ein soziales Dienstleistungsunternehmen wie die Heidelberger Dienste haben sich in den vergangenen Jahren stark geändert. Wie wirkt sich das aus?

Früher konnten wir die Menschen bis zu fünf Jahre bei uns beschäftigen – und bekamen 75 Prozent Förderung vom Bund. In der Amtszeit von Ursula von der Leyen wurde die Förderung dramatisch gekürzt.

Dennoch konnten die Heidelberger Dienste ihren Aufgabenbereich immer weiter ausdehnen.

Ja, weil die Kommune einsprang. Aber auch, weil wir immer wieder schnell auf gesamtgesellschaftliche Trends reagiert haben. Als sich um die Jahrtausendwende die Jugendarbeitslosigkeit verfestigte, starteten wir etwa mit dem Azubi-Fonds. Dabei schließen die jungen Leute einen Ausbildungsvertrag mit uns ab – und wir kooperieren mit Betrieben, welche die Ausbildung übernehmen.

Kurz vor der Jahrtausendwende gab es so viele Langzeitarbeitslose wie nie. Wie haben die Dienste darauf reagiert?

Neu war vor allem, dass die Langzeitarbeitslosigkeit auch die Mittelschicht erreichte. Plötzlich waren gut ausgebildete Leute jahrelang arbeitslos. Damals stiegen wir stärker in den Bereich der Beratung und Vermittlung ein. Inzwischen haben wir da sehr viele Angebote für unterschiedliche Zielgruppen.

Mit den Hartz-Reformen wurde 2005 auch der sogenannte Ein-Euro-Job eingeführt, der Langzeitarbeitslose an den Arbeitsmarkt heranführen sollte. Hat das geklappt?

Diese Zusatzjobs wurden immer wieder verunglimpft – zu Unrecht. Sie haben tatsächlich eine Menge Leute in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse gebracht.

Ein Meilenstein war auch die Gründung des „Bündnisses für Familie Heidelberg“ 2007. Welche gesellschaftliche Entwicklung ging dem voraus?

Wir hatten bei dem Projekt „Frauen+“ viele alleinerziehende Mütter unterstützt. Das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde immer drängender – darauf haben wir reagiert.

Was leistet das Bündnis für Familie?

Das Bündnis vernetzt Arbeitgeber, die bei diesem Thema besser werden wollen. Inzwischen machen fast alle mit, weil es sich im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter keiner mehr leisten kann, nicht dabei zu sein. Einer der größten Erfolge war, das Thema Ferienbetreuung qualitativ und quantitativ aufzuwerten. Dabei haben wir viele Bausteine, etwa das Ferien-Ticket, mit dem auch kleine Unternehmen, die keine eigenen Angebote machen können, ihre Mitarbeiter unterstützen können.

Seit vier Jahren sind die Dienste nun auch noch für das Kreativwirtschaftszentrum „Dezernat 16“ in Bergheim zuständig. Wie kam es dazu?

Das war der nächste logische Schritt, denn hier geht es um die Zukunft der Arbeit. Zugleich fallen dort jeden Tag viele einfache gewerbliche Tätigkeiten an, für die wir tolle Mitarbeiter haben. Das von uns dort aufgebaute Veranstaltungsangebot passt wunderbar zu unserem Service „Fest & Fertig“.

Und was planen Sie und die Heidelberger Dienste als Nächstes?

Das drängendste Thema heute ist wohl der Fachkräftemangel – deshalb gibt es seit vergangenem Jahr das Ausbildungshaus, das wir betreiben. Und es gibt schon viele Stimmen, dass wir bald ein zweites brauchen. Die Arbeit geht uns nicht aus.

Heidelberger Nachrichten vom Dienstag, 5. Dezember 2017, Seite 6, von Sebastian Riemer