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Ein Teller Heimat – Wo Togo von Syrien lernt: Heidelberger Dienste starten Kochprojekt für geflüchtete Frauen – Integration in den Arbeitsmarkt

Mit geübtem Griff knetet Haistan HajiRamdan die grobe Masse, aus der später einmal Tabouleh werden soll, syrischer Bulgursalat. Sie arbeitet ausschließlich mit den Händen, das ist Teil ihrer Kultur. Die 30-Jährige stammt aus Al-Hasaka im Nordosten Syriens. Haji-Ramdan ist eine von 15 Frauen, die am vergangenen Freitag Spezialitäten aus ihrem Herkunftsland zubereiten. „Das gemeinsame Kochen kennen alle aus ihrer Heimat“, bemerkt Aline Moser, Mitarbeiterin der Heidelberger Dienste (HDD). „Es schafft einen sicheren Raum. Hier können sie sie selbst sein, keine Flüchtlinge, nur Mütter, Frauen, Menschen.“

Die HDD luden jetzt im Rahmen des Bundesprojekts „Stark im Beruf“ und dessen Zusatzmodul „Flucht“ erstmals in die Heidelberger Kochschule im Dachgeschoss des alten Hallenbades ein. „80 Prozent der Flüchtlinge sind Männer, dementsprechend wenige Angebote gibt es für Frauen“, weiß Anna Matzenauer, auch eine Mitarbeiterin der Heidelberger Dienste. „Viele von ihnen haben eine gute Ausbildung und wollen nicht den ganzen Tag im Camp rumhängen. Wir möchten diesen Menschen eine Stimme geben.“

Das Projekt soll Mütter mit Fluchthintergrund perspektivisch in den deutschen Arbeitsmarkt integrieren. „In Syrien machen viele Frauen einen Doktorabschluss, während die Bildung in manchen Ländern Afrikas nicht über eine fünfjährige Schulbildung hinausgeht. Aber keine Vorbildung bedeutet nicht zwingend, keine beruflichen Ziele zu haben“, betont Moser. Auch gut ausgebildete Frauen scheiterten oft an bürokratischen Hürden. Haji-Ramdan etwa arbeitete zehn Jahre lang als Lehrerin, ihre Diplome und Zeugnisse aus Syrien werden in Deutschland jedoch ohne Notenschlüssel nicht an- erkannt. Ein weiteres großes Hindernis beim Einstieg in den Arbeitsmarkt sind mangelnde Sprachkenntnisse. „Heute geht es nicht darum, welche Nation das beste Essen zubereitet, sondern darum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Reden ist immer ein Prozess. Wir wollen ein Netzwerk aufbauen, das es den Frauen leichter macht, in Heidelberg und auch in Deutschland anzukommen“, erklärt Matzenauer. Und Moser fügt hinzu: „Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe. Auch, dass wir die Räume der Kochschule unentgeltlich nutzen dürfen, zeigt die Wertschätzung gegenüber unseren Frauen.“

Beim Kochen trauen sich die Teilnehmerinnen dann endlich, zu reden. Trotz Sprachbarrieren tuscheln sie eifrig, lachen, tauschen nonverbale Anweisungen aus. Die Rezepte haben sie selbst mitgebracht. „Hier lernt Togo von Syrien, Heidelberg von Pakistan“, fasst Matzenauer glücklich zusammen.

Währenddessen bereiten Moussalatou Ouro-Bodi und Mariama Kaba eine Erd- nusssoße zu. Die beiden Togolesinnen leben seit einem Jahr in Deutschland. In ihrer Heimat haben sie als Verkäuferinnen auf einem lokalen Markt gearbeitet. „Der Sprachkurs, den die beiden aktuell belegen, bescheinigt ihnen das niedrigste Sprachniveau A1“, erklärt Matzenauer, „für eine Stelle als Reinigungskraft brauchen sie allerdings A2.“ Das gemeinsame Kochen macht den beiden nicht nur viel Spaß, sondern ermutigt sie auch, ihre neu erlernten Sprachkenntnisse in der Praxis anzuwenden.

Zuletzt streicht Haji-Ramdan die Bulgurmasse glatt und garniert den Tabou-leh mit Petersilie. Es ist zwar noch ein langer Weg, bis die Syrerin Teil des deutschen Arbeitsmarktes wird. Aber HDD-Mitarbeiterin Aline Moser ist überzeugt: „Wer zehn Jahre lang Lehrer war, der kann ganz viel.

(Quelle: RNZ vom 21.11.2017, Von Sara Wess)